Corona-Effekte im Corporate Banking

2. Juli 2021 | Corporate Banking
Von Philipp Habdank

Banken feiern in der Coronakrise ihren Image-Gewinn. Gleichzeitig nutzen sie die Krise, um unprofitable Firmenkunden loszuwerden und ziehen sich aus Branchen komplett zurück. Frische Einblicke in die gemischte Gefühlswelt der Firmenkundenbetreuer.

Für die Banken ist die Coronakrise gar nicht so schlecht gelaufen. Sie haben die Krise zur Abwechslung nicht nur nicht verursacht, sie inszenierten sich vielmehr als Teil der Lösung, um die Krise zu meistern. In der kritischen Phase versorgten die Geldhäuser ihre Firmenkunden mit der nötigen Liquidität und zeigten sich bei Verstößen gegen die Kreditauflagen häufig kompromissbereit. Covenants wurden dann vorübergehend nicht getestet und stattdessen in die sogenannten „Covenant Holidays“ geschickt.

Zudem hat die Krise den jahrelangen Margenverfall im Kreditgeschäft gestoppt, und auch bei den Kreditbedingungen konnten sich die Banken im zurückliegenden halben Jahr wieder etwas mehr Strenge erlauben, da sie etwas weniger Wettbewerb verspürten. All das zeigt der aktuelle Survey Firmenkundenbetreuer für den der Think Tank Corporate Banking & Finance halbjährlich die Firmenkundenbetreuer deutscher Banken befragt.

Anlass zur Sorge im Corporate Banking

Die Umfrage zeigt auch, dass die Workout-Banker in den Sanierungsabteilungen der Banken in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht mehr kränkelnde Firmenkunden auf den Tisch bekamen als in den Jahren zuvor.

Aber: Unter der Hand haben wir erfahren, dass die Banken in der Coronakrise auch andere Maßstäbe angelegt haben als in den Vorjahren. Firmenkunden, die früher ziemlich sicher in die Workout-Abteilung gewandert wären, taten dies in der Coronakrise häufig nicht. Das passt ganz gut zur Entwicklung der Risikovorsorge der Banken während der Pandemie: Die Kreditabschreibungen in den Bankbilanzen fielen im Schnitt niedriger aus als zu Beginn der Pandemie erwartet wurde.

Vielleicht schieben die Banken ihr Corona-Problem aber auch nur vor sich her. Die Portfolio-Qualität der Banken im Corporate Banking jedenfalls wird von Survey zu Survey immer schlechter. Auch in der aktuellen Umfrage sahen die Firmenkundenbanker wieder deutlich mehr Rating-Downgrades als -Upgrades. Gleichzeitig nahm die Anzahl von Covenant-Brüchen im vergangenen halben Jahr weiter zu – ein Anzeichen dafür, dass die Ferien für die Covenants so langsam vorbei sind?

Banken misten im Corporate Banking aus

Ewig werden die Banken ihre Covenant-Augen nicht zudrücken. Schon vor der Coronakrise nahm der Risikoappetit vieler Banken ab. Die Pandemie scheint diesen Trend noch zu beschleunigen. Manche Banken scheuen sich nicht nur davor, Unternehmen mit schlechtem Rating zu finanzieren, nein: Sie meiden ganze Branchen. Unternehmen im Bereich Einzelhandel, Textil oder Automotive sind inzwischen für viele Geldhäuser ein rotes Tuch.

Banken schauen kritischer auf ihre Firmenkundenbeziehungen. Galt nach der Finanzkrise lange das Motto „Hauptsache neue Kunden gewinnen“, lautet das Mantra der Stunde: „Die Geschäftsbeziehung muss profitabel sein“. Die Banken misten aus: Der These, dass einige Banken sich durch die Pandemie rascher als geplant aus bestimmten Branchen und Risikoklassen zurückziehen werden, stimmten 78 Prozent der befragten Firmenkundenbetreuer stark zu.

Alte Banker sind glücklich, die jungen wollen weg

Unter dem Strich konnte die Coronakrise die Laune der Firmenkundenbanker nicht wesentlich trüben. Im Schnitt ist die Stimmung weiterhin gemäßigt positiv – doch die Schwankungsbreite ist enorm: Jeder fünfte Banker ist unzufrieden, während zwei von fünf mit ihrem Job zufriedener nicht sein könnten.

Diese Teilung spielt sich auch in der Wechselwilligkeit der Firmenkundenbanker wieder: Auch hier kommt für zwei von fünf Bankern ein Arbeitgeberwechsel aktuell überhaupt nicht in Frage, während jeder Sechste bereits auf dem Absprung ist.

Ein Deep Dive in Datensätze offenbart außerdem, dass glückliche Firmenkundenbanker zwei Eigenschaften vereinen: Sie sind alt und/oder ohne Führungsverantwortung. Diese beiden Gruppen zeigten in der Umfrage die mit Abstand größten Zufriedenheitswerte.

ESG: junge Banker glauben daran, die alten sind skeptisch

Die jüngere Generation der Firmenkundenbetreuer sieht dafür in dem gesellschaftlichen Megatrend „ESG“ deutlich mehr Substanz als die Firmenkundenveteranen. Im Schnitt glaubt fast jeder zweite Firmenkundenbanker, dass die in Sachen ESG gut aufgestellten Banken künftig deutlich mehr Neugeschäft machen werden.

Das Blöde für die Banken: Die meisten Firmenkunden wollen zwar nachhaltig finanzieren, doch die Finanzierung darf dadurch nicht teuer werden. Die Banken stehen bei der ESG-konformen Finanzierung damit vor dem gleichen Problem wie auch die Debt Funds: Beide sehen durchaus einen Markt für ESG-Finanzierungen, doch beiden fehlen die Rendite-Fantasien.

philipp.habdank@whatsup-cf.de

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