Die Human Due Diligence – mit Jens Alsleben (Folge 2)

16. Juli 2021 | Private Equity
Von Philipp Habdank

Jens Alsleben kennt Private Equity aus dem Effeff und hat sich viele Gedanken über die Zunft gemacht. Im Podcast spricht er über ESG-Arbitrage als Investmentthese und fordert, dass der Faktor Mensch bei Private Equity stärker in den Fokus rücken muss.

Private-Equity-Investoren sind zahlenorientiert und renditegetrieben. Diese Spezies prallt nun mit dem gesellschaftlichen Megatrend ESG zusammen – ein Thema, das so gar nicht nach Rendite-Boost klingt. Fest steht: Das Thema Nachhaltigkeit hat längst Einzug in die Finanzindustrie gehalten und wird die Branche verändern. Der Druck der LPs – also der Hand, die Private Equity nährt –nimmt immer mehr zu. Die einzige Frage lautet: Wird Private Equity den Wandel treiben oder von ihm getrieben?

Auf Sicht werden Private-Equity-Häuser in der kompletten ESG-Bandbreite liefern müssen: Beim „E“ (Environment), beim „S“ (Social) und beim „G“ (Governance). Am schwersten tut sich Private Equity wohl beim „S“. Warum? Hier geht es stark um Führungs- und Unternehmenskultur. Diese in einem Unternehmen zu verändern braucht Zeit – und die ist bei einer durchschnittlichen Haltedauer von rund fünf Jahren begrenzt.

ESG ist für Private Equity der Wertetreiber der Zukunft.

Jens Alsleben

Private Equity verschleißt zu viele Manager

Trotzdem sollte Private Equity die soziale Komponente nicht unterschätzen – insbesondere den Faktor Mensch nicht. Doch genau diesen Fehler machen immer noch zu viele Private-Equity-Investoren, glaubt Jens Alsleben. Der heutige Führungskräfte-Coach hat für den US-Investor H.I.G einst das Deutschlandgeschäft aufgebaut und war ein Aushängeschild der Private-Equity-Szene.

Seine Beobachtung: Schon bei der Due Diligence ist Private Equity offenbar schlampig. Oder warum sonst tauschen 72 Prozent der Private-Equity-Investoren nach zwölf Monaten den CEO des Portfoliounternehmens aus? Vielleicht weil Faktoren wie Mitarbeiterführung und Unternehmenskultur von Private-Equity-Investoren noch nicht als Wertsteigerungshebel gesehen werden.

ESG als Teil der Vendor Due Diligence

Alsleben glaubt, dass der ESG-Trend zu einem Umdenken führen wird. Er hält ESG-Arbitrage für eine sinnvolle Investmentthese und erwartet, dass Faktoren wie die Unternehmenskultur und Führungsstärke künftig ein wichtiger Teil der Vendor Due Diligence werden – heißt: Private-Equity-Investoren werden Kennzahlen wie Fluktuation oder Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen beim Verkauf offenlegen, weil sie wertsteigernd wirken können.

Im Podcast beschreibt und erklärt Jens Alsleben offen die Fehler seiner früheren Zunft und plädiert dafür, Human Due Diligence als Teil einer ganzheitlichen ESG-Strategie zu verstehen. Let’s Go!

Kapitelmarken

>> Mensch oder Rendite?

>> Humanize Business: Keine Investmentthese für Private Equity?

>> Wie funktioniert die Human Due Diligence?

>> Ganzheitliche ESG-Strategie

>> ESG: Differenzierungsmerkmal oder Bedingung, um im Geschäft zu bleiben?

>> ESG-Arbitrage als Investmentthese?

>> Fragen-Quicky

philipp.habdank@whatsup-cf.de

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