Was geht am Leveraged-Finance-Markt?

Was geht am Leveraged-Finance-Markt? – mit Thorsten Weber von GCA Altium (#4)

13. August 2021 | Leveraged Finance | Private Debt | Private Equity
Von Philipp Habdank

Der deutsche Leveraged-Finance-Markt steuert nach einem überraschend starken ersten Halbjahr auf ein Rekordjahr zu. Das zeigt der neue Midcap Monitor von GCA Altium, über dessen Ergebnisse und League Tables wir exklusiv mit Thorsten Weber im Podcast gesprochen haben. 

Wer hätte vor einem Jahr um diese Zeit gedacht, dass 2021 mit großer Wahrscheinlichkeit ein neues Rekordjahr für den deutschen Midcap-Leveraged-Finance-Markt wird? Vermutlich nur die größten Optimisten unter uns. Doch genau danach sieht es derzeit aus, wie der uns exklusiv vorliegende neue Midcap Monitor der Investmentbank GCA Altium zeigt.

Für den Midcap Monitor zählt GCA Altium vierteljährlich alle Private-Equity-finanzierten Übernahmen von Unternehmen im deutschsprachigen (und europäischen) Raum, deren Finanzierungsvolumen zwischen 20 und 500 Millionen Euro lag.

Deutscher LBO-Markt auf Rekordjagt

Der Monitor liefert damit ein gutes Stimmungsbild, wie es um den deutschen Midcap-LBO-Markt steht. Der bisherige Jahresrekord liegt bei 103 Transaktionen und notiert aus dem Jahr 2017. Allein im ersten Halbjahr 2021 zählte GCA Altium bereits 60 (!!!) Transaktionen. Bemerkenswert ist, dass sogar etwas mehr als die Hälfte der Transaktionen im traditionell eher schwächeren zweiten Quartal erfolgten.

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Und es gibt noch eine Überraschung: Knapp die Hälfte aller Transaktionen waren der Portfolioarbeit von Private-Equity-Investoren geschuldet. Die häufigsten Finanzierungsanlässe waren demnach Add-on-Finanzierungen, Refinanzierungen oder fremdfinanzierte Dividendenausschüttungen (sogenannte Recaps). Der Anteil von Neufinanzierungen (Primaries oder Secondaries) dagegen nahm über die Jahre kontinuierlich ab – was zeigt, dass das Bewusstsein für die Portfolioarbeit bei Private-Equity-Investoren – Stichwort Buy and Build – scheinbar wirklich zunimmt und durch die Krise noch verstärkt wurde.

Trockenes Pulver hält den LBO-Markt liquide

Dass der deutsche Leveraged-Finance-Markt offenbar so gut durch die Coronakrise gekommen ist, liegt ohne Zweifel auch daran, dass es im deutschen Markt viele Unternehmen aus den Bereichen Software/IT und Healthcare gibt, die sich krisenresilient gezeigt haben oder von Corona sogar profitiert haben. Diese Branchen machten auch vor der Krise bereits einen Großteil der Transaktionen aus und haben den Corona-bedingten Transaktionsrückgang in zyklischeren Branchen mehr als kompensiert.

Doch machen wir uns nichts vor: Auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt dem Leveraged-Finance-Geschäft sehr gelegen. Die Niedrigzinspolitik hat über die Jahre dazu geführt, dass das institutionelle Geld auf der Suche nach Rendite in Strömen den Weg in die beiden Anlageklassen Private Equity und Private Debt gesucht hat. Der Anlagedruck hilft dem ein oder anderen Finanzinvestor möglicherweise dabei, die ein oder andere Corona-Sorge etwas leichter zu sehen.

Debt Funds können immer noch mehr

Auch im ersten Halbjahr haben Debt Funds wieder rund zwei Drittel aller Midcap-LBO-Finanzierungen in Deutschland gemacht und die Banken damit in Schach gehalten. Wirklich neue Spieler betreten den Markt nur noch selten, wie zuletzt Tikehau Capital. Für den französischen Finanzinvestor baut der langjährige LBO-Banker Dominik Felsmann gerade ein deutschsprachiges Team in Frankfurt auf (mehr dazu in unserer letzten Podcast-Folge).

Der Markt scheint verteilt, die Debt Funds sind etabliert und können wegen der immer noch größer werdenden Fonds scheinbar immer noch mehr: „Wir arbeiten gerade an Transaktionen mit Finanzierungstickets von 200 bis 250 Millionen Euro. Das wäre für Debt Funds vor vier oder fünf Jahren noch herausfordernd gewesen, heute liegt dort für viele Fonds der Sweet Spot“, meint Thorsten Weber aus dem Finanzierungsberatungsteam von GCA Altium.

200 bis 250 Millionen Euro wären für Debt Funds vor vier oder fünf Jahren noch herausfordernd gewesen, heute liegt dort für viele Fonds der Sweet Spot.

Thorsten Weber, GCA Altium

Der Vormarsch der Debt Funds hat den deutschen Leveraged-Finance-Markt verändert. Mit den Debt Funds und der Unitranche sind Mezzanine-Finanzierungen nahezu komplett verschwunden. Weber beobachtet diese einstigen Lieblingsstrukturen heute nur noch in Einzelfällen. Auch die großen syndizierten Konsortialkredite mit den damit verbundenen Underwritings würden der Unitranche zunehmend zum Opfer fallen.

Geschäftsbanken lassen Federn, Landesbanken geben Gas

Ist das die Erklärung dafür, dass die Leveraged Finance League Tables heute eher von den Landesbanken dominiert werden und einstmals führende LBO-Banken wie die SEB, Commerzbank, Unicredit, ING oder IKB ins Mittelfeld abgerutscht oder gar komplett verschwunden sind? Wir wissen es nicht mit Sicherheit, schließlich kann das auch immer mit einer Strategieänderungen bei den jeweiligen Häusern zusammenhängen.

Was aber schon auffällt: Landesbanken waren im LBO-Geschäft schon immer eher auf Club-Deals fokussiert, die es bei kleineren Transaktionen auch weiterhin gibt und deren Margen verglichen mit dem klassischen Firmenkundengeschäft durchaus attraktiv erscheinen. Die Geschäftsbanken hingegen haben gerne Underwritings und größere LBO-Finanzierungen angeboten, die jedoch aufgrund der Alles-aus-einer-Hand-Debt-Fund-Unitranche-Lösungen von Private-Equity-Investoren immer weniger nachgefragt werden.

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Dafür treten diese Häuser ab und an noch bei den sogenannten Folo-Strukturen in Erscheinung – allen voran die Berenberg Bank. Bei einer Folo-Finanzierung (auch First-out/Second-out genannt) teilen sich ein Debt Fund und eine Bank eine Unitranche faktisch untereinander auf. Die Bank stellt also nicht nur die Betriebsmittellinie, sondern bekommt auch einen kleinen Teil der LBO-Finanzierung ab.

Noch mehr Hintergründe zu den Ergebnissen des aktuellen Midcap Monitors, warum der deutsche Leveraged-Finance-Markt deutlich besser durch die Krise gekommen ist als beispielsweise die Märkte in Großbritannien oder Frankreich, wie sich das Pricing für LBO-Finanzierungen seit der Krise entwickelt hat und warum der „Stretched Senior“-Trend eine spannende Sache ist: Über all das und noch mehr haben wir mit Thorsten Weber im Podcast gesprochen. Viel Spaß beim Hören!

philipp.habdank@whatsup-cf.de

Info: Noch mehr spannende Podcast-Folgen von uns finden Sie in unserer Podcast-Audiothek und überall dort, wo es Podcasts gibt: Spotify, Google, Apple, Deezer

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